Der Ursprung des Vereines liegt im Deutschen Turnerbund. Im Sommer 1933 setzten sich durch Initiative von Hans Sesterhenn und Josef Scholz aus Pillig einige junge Männer der Dörfer Wierschem und Keldung zusammen und begannen, das Spielen von Querflöte und Trommel durch die Vorgenannten zu erlernen, wobei Hans Sesterhenn die Leitung der Proben für die Flötisten übernahm und Josef Scholz den Tambouren die einzelnen Griffe und Schläge beibrachte. Abwechselnd wurden die Proben in Keldung und Wierschem abgehalten, in Keldung im Backes, in Wierschem in freier Natur, im Backes oder im Saale Welsch. Das Erlernen des Flötenspiels wurde dadurch erschwert, dass keine Noten vorhanden waren und alle Griffe einzeln abgeschaut werden mussten. Auch waren anfangs keine geeigneten Instrumente für die Tamboure vorhanden (die Trommel kostete damals ca. 34,– Mark -ein ganzer Monatslohn-), so dass diese das Trommeln auf Holztischen und Bänken erlernten. Als Männer der ersten Stunde sind uns bekannt:
Tamboure: Franz Schilberz, Paul Schneider, Alois Hartung, Johann Martini, Theo Schäfer, Nikolaus Hartung, Heinrich Hartung, Alois Schnorpfeil
Flötisten: Alois Schäfer, Alois Hendgen, Mathias Hendgen, Josef Hetzel, Johann Hartung
1934 konnten endlich, anlässlich der Wierschemer Kirmes, die ersten Märsche in der Öffentlichkeit gespielt werden. Es waren: „Der Torgauer Marsch“ und „Das Lieben bringt groß Freud“.
Da die Aktiven keine eigene Uniform besaßen, traten sie in der Uniform der Hitlerjugend auf. Die Bevölkerung der Orte Wierschem und Keldung nahm an dem Spiel der Männer regen Anteil. Bei jedem Auftritt wurden Sie mit Begeisterung empfangen. Doch schon bald wurde die Freude getrübt. Der eine oder andere wurde zum Arbeitsdienst oder Militär eingezogen, sodass von 1939 an das Vereinsleben zum Erliegen kam.
Nach der Rückkehr der ehemaligen Mitglieder aus der Kriegsgefangenschaft wurde der Verein 1949/50 neu gegründet. Die Initiative hierzu kam vom damaligen Präsidenten des Junggesellenvereins, Mathias Hendgen, jener der bereits seit der ersten Stunde dem Verein angehörte.
Der Spielmannszug sollte als Abteilung des Junggesellenvereins geführt werden.
Da aber die meisten der alten aktiven Mitglieder inzwischen verheiratet waren, bildete sich innerhalb weniger Tage ein eigenständiger Verein.
Die Neugründungsversammlung fand am 19. März 1950 statt.
Doch schon kamen neue Schwierigkeiten auf.
Die damalige französische Militärregierung sah Vereine dieser Art als halbmilitärische Organisation an, sodass die ausgearbeiteten Statuten in französischer Sprache eingereicht werden mussten. Der Vorsitzende Gerhard Paschke, sein Stellvertreter Heinrich Hartung, die Beisitzer Johann Hartung und Franz Schilberz sowie der Schriftführer Werner Hendgen mussten diese unterschreiben.
Zwischenzeitlich nahm der Verein seine Tätigkeit auf. Dazu wurden aus allen möglichen Ecken alte Instrumente zusammengetragen und auf ihre Brauchbarkeit überprüft. Die Flötisten konnten so versorgt werden, allerdings fehlten bei den Tambouren Rahmen, Felle, Koppel und Adler und dem nicht genug, zeigten sich erste finanzielle Probleme.
Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Es wurde eine Liste angelegt und einige Mitglieder machten sich auf den Weg durchs Dorf, sodass die Probleme baldbehoben waren. Neben den fehlenden Teilen konnten sogar ein Schlagzeug angeschafft werden.
Jetzt wurde mit der aktiven Arbeit begonnen. Hervorzuheben ist hier die Mitarbeit von Herrn Josef Becker aus Münstermaifeld. In seiner Werkstatt wurde mehrmals in der Woche geprobt. Auch den Weg nach Müden an der Mosel
scheute man nicht, um von dem dort existierenden Verein zu lernen.
Zur Keldunger Kirmes im September 1950 war es soweit. Beim Kirchgang des Junggesellenvereins war der Spielmannszug dabei. Das ganze Dorf nahm freudigen Anteil daran, dass nach langer Zwangspause wieder klingendes Spiel im Dorf zu hören war. Bald fühlten sich die Aktiven stark genug den ersten Wettstreit zu besuchen.
Wirges war der Austragungsort. Als 1. Sieger der B-Klasse kam der Verein vom Wettstreit zurück. Gleichzeitig errang unser Tambourmajor Gerhard Paschke den 1. Führerpreis aller Klassen. Beim Bäckerhännes in Kattenes wurde dieses Ereignis kräftig begossen.
Nachdem der Verein noch einige Wettstreite mit Erfolg besucht hatte, veranstaltete er 1951 selbst einen Wettstreit. Es war ein großes Ereignis, als neun Spielmannszüge durch das Dorf zogen. Es soll nicht unerwähnt bleiben, wie alle
Einwohner unseres Dorfes den Verein unterstützten.
Bald darauf wurde der Tambourverband Rheinland gegründet, an dem unser Verein maßgeblich beteiligt war. 1953 war es uns vergönnt, den Verbandswettstreit in Wierschem auszutragen. Dies dürfte das bis dahin größte Treffen der Spielmannszüge in Wierschem gewesen sein.
Durch verschiedene Auffassungen im Spielmannswesen war es uns aber bald nicht mehr möglich, dem Verband treu zu bleiben, so dass sich der Verein entschloss auszutreten. Der Verein beschränkte sich jetzt mehr auf die kulturelle
Arbeit in den Dörfern Wierschem und Keldung. Neben dem Spielmannszug wurd das Theaterspiel gepflegt. Es bildetet sich auch eine Gruppe, die außer Trommel und Flöte noch Saxophon und Trompete spielen wollte. So wurde 1960 unsere „Hauskapelle“ gegründet. Die Leitung und Ausbildung dieser Kapelle übernahm Peter Weidung. Die Kaufpreise für die Instrumente wurden vom Verein vorgelegt und später von den Mitgliedern zurückgezahlt. Leider löste sich diese Kapelle nach sechs Jahren wieder auf.
1959 wurden die ursprünglich in Französisch gefassten Statuten vom damaligen Lehrer Aulenbacher ins Deutsche übersetzt.
1961 besuchte der Verein einen Tambourwettstreit in Elm im Saarland, wo es den Musikern gelang den 3. Preis im Chorspielen zu erlangen und Gerhard Paschke gewann den 1. Führerpreis.
Das 30-jährige Bestehen sollte 1963 mit einem Freundschaftstreffen für Spielmannszüge gefeiert werden. Als der Termin war der 14. Juni vorgesehen. Doch der Ausbruch einer Krankheit -wenige Wochen vor dem Fest- zwang zur Absage des Festes, was für den Verein einen großen Verlust darstellte.
Bis 1970 nahm man nur vereinzelt an Festveranstaltungen außerhalb der Dorfgemeinschaft teil.
Ab 1970 veranstaltete man regelmäßig ein Schmorbratenessen, das sowohl von den Mitgliedern als auch von Außenstehenden gerne angenommen wurde.
Im Jahre 1972 war der Spielmannszug als „gezapftes Bier“ am Rosenmontagsumzug in Köln dabei.
Bei der Generalversammlung am 20. Mai 1973 konnte der Vorsitzende Gerhard Paschke der Versammlung mitteilen, dass einige Jugendliche dem Verein beitreten wollten. Dies war Beginn einer regen Jugendarbeit im Verein. Seit diesem Jahr waren auch die weiblichen Musikfreunde im aktiven Corps willkommen.
Am 21. Oktober 1973 feierte man im Saal des Vereinslokals sein 40-jähriges Bestehen. Es wurde mit nur drei Gastvereinen in einem kleinen Rahmen abgehalten, aber es war dennoch schön.
In der Weihnachtszeit des Jahres konnte der Verein durch den Schlag von 100 m Holz im Wald die Vereinskasse aufbessern. Vom Verkaufserlös wurden dem Spielmannszug Sinzig einen kompletten Satz gebrauchter Uniformen abgekauft.
Den neu eingetretenen Jugendlichen konnten sogar neue Metallflöten gekaufen werden und damit wurde der Klangkörper des Corps vereinheitlicht.
1977 konnte der Verein seinen eigenen Proberaum im „alten Backes“ in Wierschem beziehen.
1978 wurde der Verein ins Vereinsregister eingetragen und trägt seitdem den Namen „Spielmannszug Wierschem-Keldung e.V.“.
Am 19. und 20. Mai 1979 fand dann, endlich nach langen Jahren, wieder ein Freundschaftstreffen in Wierschem statt. Anlass war die neu erworbene Standarte, die bei diesem Fest geweiht wurde. Zu diesem Fest wurde ein Wappenteller mit dem Gemeindewappen hergestellt, der auch an die Bevölkerung verkauft wurde.
Da die Auftritte des Vereins mittlerweile einen guten Anklang fanden, beschloss man 1980 wieder bei einem Wettstreit zu starten. Veranstalter war der Spielmannszug Brachtendorf.
Enttäuscht von einem 8. Platz in der A-Klasse nahm der Verein vorerst nur noch an Freundschaftstreffen teil. Ebenfalls 1980 wurde unsere Vereinsreise aus der Taufe gehoben. Ziel war in den Herbstferien Stumm im Zillertal in Österreich. Diese Fahrt hatte einen solchen Erfolg, dass sie zu einer festen Einrichtung im Vereinsleben wurde. Es fanden insgesamt 20 Vereinsausflüge statt, die durch unser Vereinsmitglied Peter Fuhrmann organisiert wurden. Die letzte Fahrt ging im Jahre 1999 nach Toblach in den Dolomiten.
Vom 12. bis 15.05.1983 feierte der Verein sein 50-jähriges Bestehen mit einem großen Freundschaftstreffen. Vom Spielmannszug Sinzig lag eine Einladung zum Gegenbesuch vor. Nach einigen Diskussionen -eigentlich wollte man nicht mehr bei Wettstreiten starten entschied man sich, für den ausgeschriebenen Wettstreit in der B-Klasse zu melden. Der Ausgang übertraf alle Erwartungen. Auf Anhieb errang das Corps einen 3. Platz im Corpsspiel.
Dieser Erfolg führte zu einem regelrechten Aufbruch im Verein. Er war der Ausgangspunkt zu den bisher wohl erfolgreichsten Jahren des Vereins. Viele Jugendliche fanden Interesse am Spielmannszug.
Engagierte Probenarbeit führte zu immer größeren Erfolgen. Im Jahr 1988, beim 55-jährigen Stiftungsfest, wurde in Wierschem erstmals ein Maifeldpokal ausgespielt. Teilnehmer an diesem Wettbewerb waren sechs Spielmannszüge aus der Verbandsgemeine Maifeld. Getragen von der Euphorie der letzten Jahre ließen die Hausherren ihren Gästen keine Chance und hielten den Pokal in Wierschem. Insgesamt fünfmal konnte man den Pokal in den Folgejahren verteidigen. Leider wurde dieser aber in den letzten Jahren nicht mehr ausgespielt.
1989 fühlt sich der das Corps stark genug, von der B-Klasse in die A-Klasse aufzusteigen. Die erste Herausforderung war ein Wettstreit in Illerich. Der Spielmannzug gewann gegen die Konkurrenz in der A-Klasse. Gleichzeitig
errang man den Festzugspreis und Tambourmajor Alfred Schneider gewann den Führerpreis. Dieser tolle Triumph war nicht zuletzt Folge einer konsequenten Probenarbeit und der Einführung des Spiels nach Noten.
Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die Arbeit von Josef Simonis und Elmar Simon vom Spielmannszug Hontheim. Ihr Einsatz wurde durch den Beitritt zum Landesmusikverband Rheinland-Pfalz im Jahre 1989 ermöglicht. Dieser Schritt gab auch vielen Jugendlichen die Möglichkeit zur Teilnahme an D-1 und D-2 Leistungslehrgängen, die allesamt erfolgreich abgeschlossen wurden.
Ebenfalls 1989 wirkte der Verein bei der Aufnahme einer Heimatschallplatte „Singendes Klingendes Maifeld“ mit. Auf dieser Schallplatte sind vom Spielmannszug der Marsch „Abschied der Gladiatoren“ und die „Ambosspolka“ zu hören.
1991 half der Spielmannszug erstmals bei der Gestaltung einer Christmette in der Filialkirche in Wierschem.
1992 nahm eine Abordnung des Vereins, im Rahmen eines Landesspielmannszuges, am Landesmusikfest in Wittlich teil.Bei Wettstreiten startete man mittlerweile auch mit Erfolg in der so genannten Königsklasse, der Konzertklasse.
Bedingt durch diese Aktivität wurde der Übungsraum auf dem Backes in Wierschem zu klein. So begann man den Speicher auszubauen und schuf so zwei zusätzliche Übungsräume. Die Arbeiten wurden 1998 abgeschlossen.
Beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ wurde diese Maßnahme mit einem Preis ausgezeichnet. Besonders erwähnenswert ist hier die Arbeit einer Gruppe ehemaliger Aktiver. Sie hatten sich 1987 zusammengefunden und sind
seither bei örtlichen Veranstaltungen als die „Alten Herren“ wieder aktiv und eine Bereicherung im Vereinsleben.
Dieser Gruppe gehörten zur Gründung namentlich an:
Helmut Schneider, Franz Schilbertz, Alwin Hartung, Alois Hartung, Hans Hartung, Mathias Hartung, Paul Wingenbach, Alois Schnorpfeil, Josef Schnorpfeil, Josef Schäfer, Peter Fuhrmann, Matthias Jung, Toni Hürter, und Friedel Hürter.
Nach der Öffnung des „Eisernen Vorhang“ zwischen Ost und West konnten wir zu Karneval 1990 einen Spielmannszug aus Mülhausen (ehemalige DDR) in Wierschem begrüßen.
Zum 60-jährigen Bestehen 1993, richtete man erstmals wieder einen Wettstreit in Wierschem aus.
Leider kam es nach dem Fest zu einem Einschnitt. Mehrere Mitglieder beendeten wegen Heirat und Ortswechsel ihre aktive Zeit. Besonders war hierbei die „Alt-Stimme“ bei den Flöten betroffen. Ein Neuaufbau wurde notwendig.
Ein erster Erfolg zeigte sich beim 65-jährigen Stiftungsfest vom 01. bis 03. Mai 1998, beim damaligen Festgottesdienst im Festzelt wirkten unsere Jugendlichen mit.
Eine Abordnung der Senioren führte, zusammen mit der Stadtkapelle Münstermaifeld den „Großen Zapfenstreich“ auf.
Bei der 140-Jahrfeier der Stadtkapelle Münstermaifeld im Juni 1998, beim Schützenfest in Kalt und bei der Einweihung der Schützenhalle in Keldung wurde die Aufführung mit Erfolg wiederholt. Seither finden in unregelmäßigen
Abständen Aufführungen des „Großen Zapfenstreiches“ gemeinsam mit der Stadtkapelle Münstermaifeld statt.
Im Jahre 1997 feierte die Abteilung der Alten Herren sein 10 – jähriges Jubiläum in Keldung im Gasthaus Becker.
In den darauffolgenden Jahren ruhte das Vereinsleben ein wenig bis es im Jahre 2001 neue Karnevalsuniformen gab und der Verein wieder auflebte. 2002 feierten die Alten Herren ihr 15-jähriges Bestehen in Keldung mit einem geselligen Abend.
Am 16. Mai 2003 begann das Festwochenende, anlässlich des 70-jährigen Vereinsjubiläums, mit einem Heimatabend. Das Fest endete mit der Aufführung des „Großen Zapfenstreich“ am Sonntag, dem 18. Mai 2003.
Eine erneute Sternstunde in der Vereinsgeschichte war die erfolgreiche Teilnahme am Wettstreit in Großmaischeid 2005, wo man nach langer Zeit wieder an einem Wettstreit teilnahm und den 1. Platz in der B-Klasse gewann.
Außerdem zog der Verein im selben Jahr vom alten Backes in Wierschem in das neue Gemeindehaus des Ortes, indem man sich mit viel Eigenarbeit neue Proberäume einrichtete.
2006 war man Ausrichter des Dorffestes in Wierschem und dort hatte die Vereinsjugend einen ihrer ersten Auftritte.
Im Jahre darauf wurde der Verein mit neuen Poloshirts, einer Vereinsjacke und –kappe ausgestattet.2008 waren auch die jünsten Vereinsmitglieder soweit und konnten das aktive Corps bei den Karnevalsumzügen unterstützen, sodass man nach langer Zeit wieder über 30 Spielmannsleute zusammenbrachte.
Beim Musikfest 2008 stellten sie erneut ihr Können unter Beweis, indem sie mit einem Jugendspielmannzug auftraten.
Leider hielt diese Euphorie nicht sehr lange an und es kam zu einem erneuten Einschnitt im Vereinsleben.
Mit unserer Jubiläumsfeier 2013 zum 80-jährigen Bestehen des Vereins feierten wir zudem erstmals das Kreismusikfest des Kreismusikverbandes Mayen Koblenz in Wierschem.
Seither ist es um den Verein wieder etwas ruhiger geworden. Neben dem zahlreichen Gegenangebot, sowie der sozialen Medien, können wir immer weniger Jugendliche mit unserer Spielmannsmusik erreichen, sodass sich die Jugendarbeit zunehmend schwieriger gestaltet.
Aber auch die Anzahl der aktiven Musiker ist leider zurück gegangen. Dennoch können wir seit Jahren auf die Unterstützung ehemaliger Musiker zurückgreifen, sodass es uns neben dem Besuch von Freundschaftstreffen anderer Vereine auch weiterhin möglich ist mit einer erfolgreichen Gruppe an Fastnachtsumzügen teilzunehmen.
In diesem Jahr möchten wir wieder die Möglichkeit unseres 85-jährigen Vereinsjubiläums nutzen, um unseren Verein in der Öffentlichkeit zu präsentieren und feiern dieses besondere Ereignis mit einem 3-tägigen Musikfest, ganz wie es
bei uns schon zum Brauch geworden ist.